Interview

Oliver Lysiak (Journalist)

batzOliver Lysiak, der Mann ist besser unter seinem Pseudonym Batz bekannt. Er ist ein Mensch der für die digitale und moderne Art der Unterhaltung lebt. Ein wahrer Filmnerd. Vielleicht kennt ihm der eine oder ander aus seinem Youtube-Vlog “dem Batzlog“, vielleicht aber auch nicht. Oft ist er mit Manniac gemeinsam in irgendwelchen Videos zu sehen, mit dem er übrigens auch bei moviepilot vertreten ist. Sie sind praktisch die Heads von deren Video-Magazin Screeen! Eine Show für Film, News und Trailer was die Filmwelt anbelangt. Nebenbei betreibt Oliver noch einen Film-Blog(www.fuenf-filmfreunde.de) mit seinen Kumpels. Die 5 Filmfreunde sind 5 von Tausenden Filmnerds die man im Web so finden kann. Genaueres und weiteres erfährt ihr nun im Interview von Batz selbst.


Manuel
Oliver, super vielen Dank, dass du Zeit hattest! Lass uns beginnen. Ich persönlich kenne dich durch Youtube, deinem Vlog, währenddessen arbeitest du soweit ich weiß für moviepilot und hängst an und ab mit dem deutschen Youtuber plus deinem Kumpel Manniac ab. Ich finde es toll was du machst und es ist wirklich schön zu wissen, dass es da draußen Leute mit so riesigen Interessen in Richtung Film gibt. Mich würde interessieren, was du nun genau machst. Wie beschreibst du es? Wie kam’s dazu, dass du in dieses Theretorium “Film und Fernsehen” so rein-gerutscht bist, wie begann alles? Welche Ziele strebst  du an und wie ticken wahre Filmfans wie du?

Oliver
Ich war schon seit kleinauf Filmfan und hab mir schon früh Filmliteratur gekauft und angefangen über Filme zu lesen. Das Interesse zog sich bis nach dem Abi durch, da wusste ich dann schon, dass ich “irgendwas mit Medien” machen will. Also hab ich Soziologie studiert, mit Schwerpunkt Mediensoziologie, wo ich einiges über Film und Filmanalyse gelernt habe und auch ein paar praktische Erfahrungen sammeln konnte. Nebenbei hab ich Praktika gemacht, angefangen Artikel für Webseiten zu schreiben und insgesamt 4 Jahre beim Lokalradio in Hannover in Redaktionen mitgerarbeitet, wo ich moderiert und selbst Beiträge, Hörspiele und Comedys produziert habe. Nach dem Studium, das ich natürlich abgeschlossen habe *hust*hust*, bin ich von Hannover nach Hamburg gewechselt, habe dort mein Volontariat bei einer kleinen TV-Produktion gemacht und es hat mich nach Berlin verschlagen. Dort arbeitete ich ebenfalls eine Weile für eine kleine TV-Produktion als Redakteur für Pro7, RTL und Sat.1. In der Zeit habe ich viel Handwerk gelernt – und unter anderem das es ganz furchtbar ist fürs TV zu arbeiten. Dann wurde ich arbeitslos und hab in der Zeit mit 4 anderen Freunden das Filmblog die Fünf Filmfreunde gegründet, das es bis heute gibt um dort meine Vorliebe für Filme und Filmreviews (die ich zuvor schon nebenbei in meinem Privatblog gepflegt hatte) auszuleben.

Durch die Filmfreunde ergab sich 2007 ein Kontakt zum Gründer von Moviepilot der auf uns aufmerksam wurde. Wir verstanden uns gut und als es mit moviepilot richtig losging hat er mich zum Gründungsteam dazu geholt. Seitdem arbeite ich da in verschiedenen Positionen: Zu Anfang als Leiter der Newsredaktion und seit über zwei Jahren als Leiter des sogenannten Creative-Teams. Das klingt hochgestochener als es ist, das sind neben Manniac und mir zwei Praktikanten und wir vier produzieren alle Videos die bei moviepilot erscheinen. Also alle Interviews und Filmchecks (Screeen!) und alles andere…

Als YouTuber habe ich auf meinem Privatkanal eher nebenbei angefangen und es nie wirklich konsequent betrieben. Ich lade immer dann ein Video hoch, wenn ich Zeit und Lust habe – wobei Zeit das Hauptproblem ist. Wenn man die ganze Woche im Job schon Videos produziert, hat man am Wochenende oder am Abend oft nicht mehr soviel Energie noch etwas zu machen. Außerdem fehlt mir auch die Disziplin so viel Zeit da reinzustecken, wie manniac das macht.

Mit dem eigenen Kanal reichts mir das als “Hobby” zu fahren und dann was zu machen wenn ich will. Mit den moviepilot-Videos sieht das natürlich anders aus, damit möchte ich schon gerne viele Leute erreichen und für Film begeistern. Was nicht immer ganz einfach ist, weil das Interesse und der Wissenstand ja sehr unterschiedlich ist. Wenn ich echte Filmfreaks auf moviepilot was erzähle, muss ich aufpassen, dass es nicht Zeug ist, das die längst schon wissen. Bei YouTube muss man eher aufpassen, dass es nicht zu filmnerdig und speziell ist – weil da viel mehr Leute sind die Film nur so nebenbei mal gucken und sich nicht sooo speziell für Details interessieren.

Ich glaub echte Filmnerds sind schon eine sehr spezielle Gruppe. Ich mag sie sehr gerne, bei moviepilot arbeiten zum Glück sehr sehr viele davon. Das sind Leute die Spaß daran haben über Filme zu reden und zu diskutieren. Ich mag es wenn unterschiedliche Meinungen aufeinanderprallen und man leidenschaftlich aber dennoch freundschaftlich darüber reden kann.

Manuel
Das nenne ich mal eine Antwort! Auf jeden Fall spannend. RTL, Pro Sieben  und Sat 1 – hört sich prima an und moviepilot ist super! Da hast du schon mächtig viel erreicht. Gleich zu moviepilot: Oliver, du reist recht viel um die Welt, zu den unterschiedlichsten Gegenden um dort die Filmstars zu interviewen. Ich kann mir vorstellen, dass das Ganze ein grandioses Gefühl sein muss, einen solchen Star eventuell sogar kennenzulernen. Ich beneide dich und dein Engagement, Oliver !

Das mit Youtube ist auch klasse und deine Videos erreichen ja doch recht viele. Du hast Humor und weißt wie du es anpacken musst. Filmnerds.. Magst du mir vielleicht ein Beispiel geben? Wie ist die Sprache der Filmnerds und wie die des Durchschnitts?

Oliver
Die Reisen sind gar nicht so oft, wie man das denkt. Aber natürlich schon öfter als die meisten. Wir sind im Schnitt 1-2x im Jahr in den USA, öfter mal in London oder woanders in Europa. USA versuchen wir, weil der Flug solange ist dann meist mit ein bißchen Urlaub zu verbringen – auch weil wir uns den nicht leisten könnten, wenn wir den Flug nicht gezahlt bekämen. Die Filmverleihe zahlen Flug und 1-2 Hotelübernachtungen, den Rest zahlen wir dann aus der eigenen Tasche.
Die Interviews in Deutschland und Europa sind meist sehr geschäftsmässige Dinger, da fliegste oft am Morgen hin und am Abend zurück. Oder spätestens am nächsten Tag.

Was Filmstars treffen angeht, muss man sich das auch etwas nüchterner vorstellen. Wir bekommen von den Filmverleihern Interviews angeboten, wenn wir Interesse haben werden wir “nominiert” – und oft klappt es dann auch, dass wir welche bekommen – wenn auch nicht immer mit allen Stars die man eigentlich wollte.

Meist laufen so Interviewtage so ab: Mann sieht am Morgen den Film, muss dann ins Hotel kommen. Dort sind die Stars und Schauspieler in verschiedenen Hotelzimmern in denen Kamerateams aufgebaut sind. Dann werden die Journalisten für 4-8Minuten zu ihnen reingeschickt und können ihre Fragen stellen. In Deutschland hat man meist noch recht “viel” Zeit – so 5-8min. In den USA und UK sind es eher 4-5min. Davon geht die Zeit ab, bis man sitzt, begrüsst hat und der Kameramann das Band gewechselt hat. So richtig kennenlernen kann man einen Star da nicht, meist hofft man das er gut drauf ist und noch nicht zu müde ist, weil er seit Stunden alle paar Minuten nen anderen Journalisten reingeschickt bekommt und die meisten dieselben Fragen stellen. Ich hoffe dann immer zumindest eine neue Frage stellen zu können und das das Interview locker abläuft, man es schafft mit dem Star rumzublödeln irgendwas unterhaltsames herauszubekommen – ohne dass dessen Wachhund, die sog. Publizistin dazwischen geht. Die und der Verleih wachen eisern darüber, was man macht und verbieten bisweilen auch welche Fragen gestellt werden dürfen. Zufrieden bin ich, wenn ich gutes Material bekomme. Egal ob ich den Star mag oder nicht. Wenn ich Leute treffe deren Filme ich extrem gern mag, freue ich mich aber natürlich wenn die dann live nett sind und sympathisch wirken. Aber man lernt sie nie wirklich kennen, wenn man sie das nächste mal sieht, kann man froh sein, wenn sie sich noch an einen erinnern – was bei der Masse an Interviews aber nicht verwunderlich ist. Natürlich freut man sich schon, wenn man wiedererkannt wird oder wenn man ab und zu mal die Chance hat mit einem Star etwas länger zu reden.  Wirklich aufgeregt oder nervös bin ich mittlerweile nicht mehr, das mag bißchen arrogant klingen gehört aber dazu beim Job. Wenn ich jedesmal zitterig würde und denke “OMG – ich treffe gleich nen Star” könnte ich glaube ich keine entspannten Gespräche führen.

Ganz ehrlich: Ich war bei der Vidcon neulich viel aufgeregter als ich dort US/UK-YouTuber getroffen habe deren Videos ich kenne und mag, als bei den meisten Film-Interviews.

Allgemein sind die Interviews aber nur ein kleiner Teil meiner Arbeit. 90% des Jobs sind Büroarbeit, also jeden Morgen ins Büro und am Rechner sitzen, Moderationen schreiben, Screeen drehen oder Meetings machen und planen und sowas. Interviews und Reisen sind tatsächlich nur 10% der Arbeit. Aber natürlich schon ein spannender und der den die meisten von außen sehen. Wobei auf manche Interviews und vor allem auf Premieren und Red-Carpet-Interviews würde ich gern verzichten…

Zu Filmnerds vs Normals: Filmnerds haben Spaß daran viel über Filme zu erfahren. Das sind die dich sich Bonusmaterial, Interviews usw anschauen. Die schon Monate vor dem Start über den Film lesen, die Viral Videos gucken und entschlüsseln wollen und die nach dem Start heiss darüber diskutieren und Spaß daran haben. Sie mögen Filmzitate und Nerd-T-Shirts, je obskurer desto besser…

Die meisten Leute sind aber nicht so. Die kriegen erst kurz vorm Start mit wenn ein Film anläuft, die gehen eh nicht so oft ins Kino, die sagen vielleicht eher “lass uns mal wieder ins Kino” und entscheiden dann erst wenn sie mit den Freunden davor stehen, welchen Film sie gucken wollen. Die sind eher nicht so an Interviews und Zeug interessiert und meiner Erfahrung nach reicht es ihnen nach dem Kino zu sagen “War geil” oder “War scheisse” – aber nicht wirklich drüber zu reden. Im Gegenteil bei den Leuten kriege ich immer mit, dass sie viel lieber ihre Meinung bestätigt haben wollen und sehr agressiv oder angepisst reagieren, wenn man einen Film anders beurteilt als sie selber. Die empfinden Diskussionen dann auch nicht spannend und sagen oft Sachen wie “Man muss den Kopf auch mal ausschalten können”, “Es ist doch nur ein Film” oder “Stirb du dummes Arschloch”.

Manuel
Du hast Soziologie studiert. Soziologie ist ja nicht gerade das typische Filmstudium, oder? Ich hab mich damit ein wenig befasst und fand eben so Sachen, dass man Literatur oder Philosophie studieren kann, aber Soziologie?

Oliver
Soziologie ist alles was das Verhalten von Menschen umfasst. Soziale Phänomene. Um Journalist zu werden gibt es ja keinen Standard-Weg. Du kannst auf dutzend verschiedenen Wegen Journalist werden: Volontariat, Journalistenschule, Studium.. und viele rutschen irgendwie auch so rein, weil sie viele Praktika in dem Bereich machen. Ich hab normale Soziologie studiert und mich dann dort auf alle Seminare gestürzt die mit Film und Medien zu tun hatten und hab alle Kurse besucht die mehr über Film, Schnitt, Montage, Analyse geboten haben. Da ich mich immer schon über Zensur und Verbote von Filmen geärgert habe und das ja meist aus dem Bereich Jugendschutz kommt, habe ich auch viel gemacht was mit Medienwirkungsforschung zu tun hatte: Also werden Jugendliche tatsächlich negativ beeinflusst wenn sie Horrorfilme sehen oder Computerspiele zocken usw.

Manuel
Oliver, dann erzähltest du noch was von einem Blog, “Die Fünf Filmfreunde”. Bitte beschreibe das mal näher. Du schreibst hier Rezessionen und diskutierst über Filme?

Oliver
Die Filmfreunde sind ein großes Filmblog, das schreibe ich zusammen mit den Freunden Malcolm, René, Nilz und Rajko – und dort gibts jeden Tag aktuelle Trailer, Filmnews und meine Reviews zu den großen Filmstarts – es ist ein ziemliches Nerd-Blog und wir haben alle fünf sehr unterschiedlichen Filmgeschmack und sind selten einer Meinung. Aber genau das macht das Blog auch aus: Diskutieren ist gut und man muss nicht immer dieselbe Meinung wie jemand haben um seine Ideen zu verstehen und Spaß am Gespräch mit ihm zu haben.

Manuel
Willst du noch was anhängen? Ein paar letzte Worte?

Oliver
Falls du es noch ergänzen willst, weil die Frage eigentlich fast immer kommt: Ja, Manniac und ich sind beide schwul. Wir sind kein Paar, sondern nur seit über zehn Jahren allerbeste Freunde.

Manuel
Hab ich mir schon gedacht. Gut, dass du’s verrätst, denn das klärt bestimmt viele auf. Für schwärmende Mädels halt ein Hoffnungskiller. So Filme wie Titanic gefallen dir aber trotzdem, ja? Weil meiner Meinung nach ist Titanic von James Cameron einer der phenomenalsten Filme überhaupt! UND wie gefällt dir eigentlich die Serie Sherlock? Was denkst du als Filmnerd, wie er den Sprung überlebt hat?

Oliver
Sorry, aber ich hasse Titanic… bin generell nicht so für Romanzen und Schnulz zu haben. Sherlock hat so mittel angefangen aber die zweite Staffel fand ich sehr stark, besonders das Ende und ich frage mich wirklich wie sie das auflösen wollen…

Titanic ist mir einfach zusehr Mädchenfilm. Die Musik, die ganzen Aufnahmen im Sonnenuntergang… der ganze Sozialkitsch von den edlen armen Arbeitern und die ganze Story um Jack und Rose fand ich furchtbar. Wenn schon Lovestory dann sowas wie Baz Luhrmans Romeo und Julia. oder Moulin Rouge.

hab zufällig neulich ne Liste meiner Lieblingsfilme angelegt:
http://www.moviepilot.de/liste/batzmans-all-time-favorites-batzman

Manuel
Ich bin gespannt, werde ich mir mal ansehen. Jetzt will ich dich aber nicht weiter aufhalten. Dank dir für das Gespräch!

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